Schwimmende Blockade im Rostocker Hafen – Aktivist*innen protestieren gegen Kreuzfahrttourismus

Rostock 17.06.2023 – Aktuell hindern Aktivisti der Gruppe Smash Cruiseshit mit Kanus und aufblasbaren Booten das Kreuzfahrtschiff AIDADIVA am Auslaufen aus dem Hafen Rostock Warnemünde. Gleichzeitig findet am Kai eine Kletteraktion statt. Mit dem Protest möchten sie die Öffentlichkeit auf die verheerenden Auswirkungen der Kreuzfahrt vor Ort sowie global aufmerksam machen.

Dazu Ella Maier: „Es ist absurd, dass weltweit über 350 Kreuzfahrtschiffe einer privilegierten Minderheit hochgradig klimaschädlichen Luxusurlaub bieten. Gleichzeitig müssen woanders Menschen unter anderem aufgrund von Folgen der Klimakrise fliehen. Jedes Jahr ertrinken hunderte Menschen bei dem Versuch, einen sicheren Ort zum Leben zu erreichen.“

Schadstoffausstoß

Die meisten Kreuzfahrtschiffe werden mit Schweröl oder Schiffsdiesel betrieben. Bei der Verbrennung werden nicht nur große Mengen an CO2 ausgestoßen, sondern auch Stickoxide und Feinstaub, die tödliche Atemwegserkrankungen zur Folge haben. Auch sorgt der Feinstaub in der Arktis für eine schnellere Erwärmung durch Strahlenabsorbation und führt damit zum Abschmelzen der Polarkappe. Der dadurch beschleunigte Anstieg des Meeresspiegels gefährdet Menschenleben, vor allem im globalen Süden, in küstennahen Gebieten und auf vielen Inseln. Auch die Überdüngung der Meere durch die Entsorgung von Essensresten und das Einleiten von Wasser aus der Abgaswäsche stellen ein erhebliches Problem für das Ökosystem dar.

Es gibt keine umweltfreundlichen Kreuzfahrten!

Über den Umstieg auf vermeintlich umweltfreundlichere Kraftstoffe wie LNG (liquified natural gas) oder Landstromanlagen versuchen die Kreuzfahrtunternehmen sich ein grünes Image zu geben. In der Förder- und Transportkette von LNG fallen durch Leckagen hohe Methanemissionen an. Bei Methan handelt es sich um ein vielfach stärkeres Treibhausgas als CO2.

„In Vaca Muerte in Argentinien oder in Texas in den USA ist es vor allem die indigene Bevölkerung, die unter dem LNG-Boom leidet. Sie werden von ihrem Land vertrieben, um Erdgas durch Fracking zu gewinnen. Grundwasser, Natur und Böden werden irreversibel zerstört und die Gesundheit der Menschen aufs Spiel gesetzt. Diese neokoloniale Praxis gehört beendet! Es gibt kein grünes LNG und es gibt keine grüne Kreuzfahrtschiffindustrie.“ Äußert sich Martha Bock.

Auch Brennstoffzellen auf Wasserstoffbasis, die aktuell von AIDA gestetet werden, sind keine Lösung. Wasserstoff muss erst in einem energieaufwändigen Prozess aus Wasser gewonnen werden. Um dabei Klimaneutralität zu erreichen, müsste  der Strom aus erneuerbaren Energien kommen. Der wird woanders dringender benötigt als zum Betreiben von Kreuzfahrtschiffen.

Lokale Auswirkungen des Kreuzfahrttourismus

Auf den ersten Blick scheint es, als ob die Stadt Rostock und ihre Bewohner*innen vom Kreuzfahrttourismus profitieren würden oder gar darauf angewiesen seien. Doch ist fraglich, wer von den Gewinnen tatsächlich profitiert. Lokale Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten werden von Kreuzfahrttourist*innen nicht in Anspruch genommen, da es auf dem Schiff eine All-inclusive-Verpflegung gibt. Auch Arbeitsplätze werden in Rostock durch die Kreuzfahrtindustrie nur in geringem Ausmaß geschaffen, denn die Arbeit an Bord erledigen vor allem billige Arbeitskräfte aus Ländern des globalen Südens.

In großen Häfen ist die Luftverschmutzung teilweise mehr als hundertfach so hoch wie die ortsübliche Partikelverschmutzung – so auch im Rostocker Hafen. Leidtragend sind dabei die Anwohner*innen, zu deren Schutz bisher keine ausreichenden Maßnahmen getroffen wurden. 

Militärische Übungen im Hafen Rostock

Die Aktion der Aktivist*innen findet parallel zur NATO-Übung Air Defender 2023 im Rostocker Hafen statt. Dabei positionieren sie sich auch gegen die aktuelle Aufrüstung des Militärbündnisses. Einen Zusammenhang sieht die Aktionsgruppe zwischen der Klimaerwärmung und der Zuspitzung bewaffneter Konflikte, die diese mit sich bringt.

„Es löst keine Konflikte, wenn die NATO-Staaten immer weiter aufrüsten. Um Kriege zu beenden, müssen sich die Länder des globalen Nordens endlich verantwortlich zeigen und ihr Handeln ändern. Ressourcen, die in Krieg und Waffen gesteckt werden, bräuchten wir dringend, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern und friedliche Konfliktlösungsprozesse in Gang zu bringen. 100 Milliarden statt für die Bundeswehr für effektiven Klima- und Naturschutz, das könnte ein Anfang sein.“, so Aktivist*in Ella Maier.

Forderungen

Die Aktivist*innen fordern den sofortige Stopp dieser kapitalistischen Ausbeutungspraxis. Kreuzfahrtunternehmen sollen für die ökologischen und sozialen Schäden, die sie verursachen, zur Rechenschaft gezogen werden. Es braucht gemeinschaftliche Perspektiven und Wirtschaftsprozesse, die allen Menschen ein gutes Leben ermöglichen!

„Es müssen neue Wege gefunden werden, wie Menschen ihr Bedürfnis nach Erholung befriedigen können. Wenn Erholung die Zerstörung von Lebensgrundlagen bedeutet, befinden wir uns in einem Teufelskreislauf, der uns nur immer weiter in die Krise treibt und verheerende Folgen haben wird“, so Aktivist*in Marit Schindler.

Kontakt für Rückfragen:

Email:  smashcruiseshit@riseup.net

Telefon     : Robin Krämer (Sprecher*in): +49 15218738794

                : In Aktion Land: +49 17614698656

                : In Aktion Wasser:  +4917614698808

Twitter: @smashcruiseshit

Website: kreuzfahrt.nirgendwo.info

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