300 Menschen wenden sich gegen Kreuzfahrten in Kiel

Wir freuen uns über die erfolgreiche Demonstration in Kiel, darüber das 300 Menschen gekommen sind, über spannende Redebeiträge und über gute Diskussionen und über viel Aufmerksamkeit für die Proteste gegen Kreuzfahrten.

Erfolgreich war diese Demo schon im Vorhinein: Diskussionen über Ordnungsamt und Polizei, die den Hafen sichern würden; Reisebüros, die aus ihren Auslagen die Werbung für Kreuzfahrtschiffe entfernten; ein Hafen, der die Termine für Kreuzfahrtanläufe nicht mehr verbreitet und somit einen Teil der Werbung dafür auch einstampft; breite Berichterstattung, wenn auch vor allem über die Frage, ob es eine Eskalation geben würde. Ja, es gab eine Blockade eines Kreuzfahrtschiffs in Kiel, die wohl für alle außer die direkt Beteiligten überraschend kam. Trotzdem, die Aufregung über die Demonstration und das riesige Polizeiaufgebot fühlen sich eher so an, als ob da Menschen damit drohen würden, gewaltsam die Menschen davon abzuhalten auf die Schiffe zu gehen oder das Schiff als solches statt lediglich dessen Abfahrt zu sabotieren. All das entbehrt jeglicher Grundlage, bei den bisherigen Kundgebungen wurden Flyer verteilt, Parolen gerufen, Redebeiträge gehalten und selbst bei der Blockade wurden weder Passagier*innen noch Polizeikräfte angegangen. Woher also kommt die Aufregung?

Die Erklärungen, die wir für möglich halten: Zum ersten geht es hier um ein Thema, welches bisher nicht im Fokus öffentlicher Kritik stand. Zwar mehren sich in den letzten Jahren die Berichte auch über die negativen Aspekte der Kreuzfahrten, aber Protest gab es in Deutschland bisher wenig, geschweige denn Widerstand. Zusammen mit der öffentlich präsenten Kritik am Nichtstun gegen den Klimawandel, zu dem auch Kreuzfahrtschiffe beitragen, wird hier vielleicht seitens der Presse und Behörden befürchtet, es entwickele sich ein neuer Brennpunkt. Zum zweiten trifft die Kritik an Kreuzfahrten direkt das Image der Stadt. Kreuzfahrten gehören einfach zum maritimen Flair, was sich Kiel gern gibt. Kritik ist da unpassend, störend und gefährdet die Sicht einer heilen Welt in Kiel. Das zeigt sich am Verhalten des Seehafens (der komplett der Kommune Kiel gehört), wenn die Angestellten dort in einem Kooperationsgespräch bei der Versammlungsanmeldung immer wieder versuchen, den Protest von ihrem Parkplatz zu verdrängen, zuviel Verkehr sei dort. Als Grundrechte sollen das Recht auf Profit für die Kreuzfahrtkonzerne, ein schönes Image des Hafens mit glücklichen Urlauber*innen gewahrt werden, aber bloß nichts was dieses Bild stört.

Da nun aber auch nicht der Eindruck erweckt werden soll, die Stadt verbiete Demonstrationen, wird nun anders versucht den Protest mundtot zu machen. Er soll möglichst abschreckend sein, sodass sich weniger Leute anschließen. Nicht ohne Grund versucht OB Ulf Kämpfer seit der Autofrei-Demo die TurboKlimaKampfGruppe als radikale Splittergruppe darzustellen und ignoriert dabei geflissentlich, dass sowohl die Autofrei- als auch die Kreuzfahrt-Demo von einem breiten bürgerlichen Bündnis organisiert werden. Auch in der Presseberichterstattung war spürbar, dass viele Artikel sich auf eine mögliche Eskalation fokussierten, bspw. wurde ein Gespräch über mögliche zukünftige Blockaden zusammengefasst als „Kein Kreuzfahrer ist in Kiel sicher“. All das lenkt natürlich von der Frage ab, was eigentlich für oder gegen Kreuzfahrten oder eine Beschränkung derselben spricht.

Diese Strategie wird nicht funktionieren. Bei der heutigen Demo haben die anwesenden aus unterschiedlichsten Altersgruppen gezeigt: Nein, wir finden Kreuzfahrtschiffe dreckig. Wir sehen die Umweltzerstörungen, die damit verbunden sind. Insgesamt sind wir uns einig: Wir setzen unsere Initiative fort – viel Diskussion wurde angestoßen – viel Handeln ist noch nötig.

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3 Responses to 300 Menschen wenden sich gegen Kreuzfahrten in Kiel

  1. Hans Marquard sagt:

    Die Betreiber der modernen Kreuzfahrer und Staatsmacht haben wohl ein schlechtes Gewissen (i Hope so), reagieren daher übertrieben. Aber mal ehrlich, ein Kreuzfahrtschiff ‚ Freedom of the Sea‘ zu nennen, ist purer Zynismus. Und ein getötetes Kleinkind, das in großer Höhe vom Spielraum auf’s Oberdeck fällt, wird von dem vielen Geld das der Reeder scheffelt auch nicht wieder lebendig. Ein Trauerspiel ist die belustigende Borniertheit der Betuchten.

  2. Regula Sterchi sagt:

    Verstärktes Darstellen jeglichen zivilen Ungehorsams scheint mir eine neue Masche zu sein. Ob durch Repression oder Zeitungsartikel oder private Tweets – Widerstand gegen den Kapitalismus jedweder Art wird kriminalisiert.
    Was früher einfach nur nicht bequem war wird heute als Bedrohung des Kapitals als Bedrohung der Gesellschaft aufgebauscht. Und manche – vor allem rechts aussen – glauben das unreflektiert.

    Es wird dargestellt, als ob unsere Lebensgrundlage Geld – und nicht der Planet – wäre.

  3. Tobias sagt:

    Hallo aus Köln !! Ich finde Eure Aktion supertoll….und habe Euch von Herzen finanziell unterstützt…weil Eure Cruiseshit Aktion ganz hervorragend sind!
    👏🏻👍🏼💥👍🏼👏🏻👏🏻👍🏼👏🏻👍🏼👏🏻👍🏼👏🏻👌🏽💥👌🏽💥👌🏽👍🏼👏🏻
    Leider fehlt überall noch Aktivität in den Häfen dieser schmutzigen Shitschiffe: was ist mit Hamburg ??? Wir wollen uns ein Beidpiel nehmen und Amsterdam in den Gokus nehmen…. Wir kommen das nächste Mal auch gerne nach Kiel!
    Verkehrswende JETZT !
    Kohle stoppen!
    Kreuzfahrt stoppen !
    Hambi bleibt !!!
    Grüsse
    T
    🤓👌🏽💥👍🏼👏🏻👏🏻👏🏻

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